Agentur 2020 – Wie sieht die Agentur der Zukunft aus?

Die digitale Transformation verändert die Gesellschaft, den Arbeitstag und branchenübergreifend die gesamte Wirtschaft – soweit sind sich die meisten Unternehmer, Manager und Analysten einig. „Die Agenturblogger" haben sich deshalb die Frage gestellt: Wie verändert der digitale Wandel die schnelllebige Agenturbranche? Welche Geschäftsmodelle sind zukunftsfähig? Wie verändern sich Strukturen? Was bedeutet das für das Projektmanagement?

Alexander Krapp, Geschäftsführer von SOULSURF

In unserer neuen Interview-Serie „Agentur 2020" erläutern Agentur-Geschäftsführer, vor welchen Herausforderungen sie heute schon stehen und in den kommenden Jahren noch stehen werden und wie die Agentur der Zukunft für sie aussieht. Heute im Talk: Alexander Krapp, Geschäftsführer von SOULSURF.

 

1. Klassische Agenturleistungen wie Kreation, Mediaeinkauf oder Pressearbeit verlieren im Zuge der digitalen Transformation an Wert bzw. müssen neu definiert werden. Wie verändert diese Entwicklung das Geschäftsmodell von Agenturen?

Für uns als Anbieter von Lösungen für die digitale Transformation ändert das sehr wenig. Was sich jedoch ändert, ist der Einsatz von Experten und Freelancern. Die Bandbreite der Themen und Aufgaben ist so groß, dass wir z.T. mit vielen externen Spezialisten projektbezogen zusammenarbeiten. Da kommt es schon Mal vor, dass ein Team über Länder verteilt an einem Thema arbeitet und alle aufeinander angewiesen sind. Dies muss auch gesteuert werden – zum Beispiel über Tools wie JURA, ASANA oder Confluence.

 

2. Marketing ist immer stärker effizienzgetrieben und an den Vertriebszielen ausgerichtet. Welche Konsequenzen zieht das für Agenturen nach sich?

Daten-Analyse und -Auswertung hat einen hohen Stellenwert. Der Kunde möchte schon im Vorfeld wissen, „was Kampagne XY" bringt und kostet. Somit wird stetig optimiert und iterativ gearbeitet. Ein Ziel, wie z.B. ich hätte gerne 5.000 Kunden in meinem Shop, muss heute End-to-End messbar sein und daran wird man gemessen.

 

3. Der GWA prognostiziert, dass Agenturen immer mehr zum Prozessmanager bei ihren Kunden werden und empfiehlt, sich besser im Projektmanagement aufzustellen. Was leiten Sie hieraus für Ihr Unternehmen ab?

Wir arbeiten schon sehr lange agil aber auch klassisch nach Wasserfall. Das Projektmanagement ist ein integraler Bestandteil des Projekts. Nicht jeder kann agil – auch wenn er es meint oder möchte. Und agil ist auch nicht die Lösung für alle Themen. Für uns intern als Software-Schmiede ist es optimal, da wir in sehr kurzen Zyklen releasen können und der Kunde schon von Anfang an mit dabei ist. Dass der Kunde aber auch „aktiv mitmachen muss" ist für viele noch ungewohnt. Hier muss noch ein gewisser Lerneffekt stattfinden.

 

4. Vor allem im Bereich CRM zeigt sich, dass Dienstleister über eigene Software-Lösungen ihre Kunden binden. Der GWA empfiehlt ein solches Vorgehen auch für Agenturen. Inwieweit berücksichtigen Sie derartige Überlegungen bei der Weiterentwicklung ihrer Agentur?

Wir setzen schon länger ein CRM-System ein. Es erleichtert die Ablage von relevanten Informationen zu Personen und Kunde. Und ist gekoppelt mit unserem internen Task- und Ticketing-Tool. Somit haben wir eine zentrale Datenbasis, was Vorteile im Arbeiten und auch der Geschwindigkeit bietet.

 

5. Die Digitalisierung führt zu einer schnelleren Taktung im Projektmanagement von Agenturen. Wie reagieren Sie darauf?

Da wir schon lange so arbeiten, kommt uns das sehr entgegen. Wie oben gesagt, müssen die Kunden das auch mitgehen (können). Da viele Kunden noch ihr „daily business" haben, ist das oftmals ein Spagat, der nicht immer gelingt. Das endet meist in Überinformation oder zu vielen TODOs. Der Kunde erwartet, wie bei einer Amazon-Bestellung, dass die Ware schnell da ist. Somit wird auch bei der Reaktionszeit oftmals eine – für mich schwer nachvollziehbare – sehr zeitnahe Rückmeldung erwartet. Das erfordert gute Strukturen, offene Kommunikation und regelmäßige Absprachen. Vor Allem unsere Entwickler haben wir hier komplett aus diesem Prozess rausgezogen, da z.T. durch den permanenten Beschuss die Qualität und Moral leidet.

 

6. Welche technologische Neuerung der letzten fünf Jahre hatte die größte Auswirkung auf Ihren Arbeitsalltag?

Für mich ganz klar: Der Internet-Zugang; Mittlerweile ist man über LTE oder diverse DSL-Anschlüsse nahezu immer „online". Das hat den Vorteil, dass wir unseren Mitarbeitern viele Freiheiten hinsichtlich Arbeitszeit-Einteilung und Arbeitsort bieten können.

 

7. Wie hat sich der digitale Wandel auf Ihre Effizienz in der Agentur ausgewirkt?

Wir konnten somit viele unserer Anwendungen als SaaS-Lösung beziehen oder diese für unser Tagesgeschäft nutzen. Das spart Geld, Zeit und reduziert Stress. Wo wir früher eigene Server oder Telefon-Anlagen hatten, ist heute die Cloud unser Freund und Helfer. Somit kann von überall aus darauf zugegriffen werden und wir sind „dezentral" organisiert. Egal ob Backup-Server, Telefonanlage oder gemeinsamer Online-Workspace mit dem Kunden.

 

8. Welche KPIs werden künftig die Zusammenarbeit mit Kunden wesentlich bestimmen?

Für uns sind KPIs irrelevant. Wir orientieren uns an klassischen Werten, wie z.B. Verlässlichkeit, Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit. Gerade heutzutage gibt es so viele Meinungen und eine Flut an Informationen, mit der wir alle täglich konfrontiert sind. Für uns ist es wichtig, dem Kunden offenes und ehrliches Feedback zu geben, auch wenn wir einen Auftrag dadurch in der Anbahnungsphase nicht bekommen.

 

9. Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren (beispielsweise sinkende Margen zu kompensieren, Mitarbeiter zu rekrutieren, neue Geschäftsmodelle etablieren etc.)?

Für uns ist das Thema Mitarbeiter-Recruiting die größte Herausforderung. Viele Unternehmen in München bieten mittlerweile zig Benefits für neue Talente. Und speziell die großen Firmen „saugen" den kompletten Markt leer, so dass für uns als „kleiner Player" wenig übrig bleibt.

 

10. Ist die Agentur künftig (noch) eine hierarchische Organisation oder viel stärker ein interdisziplinäres Netzwerk, bestehend aus (frei arbeitenden) Spezialisten?

Definitiv Nummer Zwei. Wie eingangs genannt, arbeiten wir bereits heute mit vielen frei arbeitenden Spezialisten zusammen. Nur so können wir immer TOP Qualität liefern und benötigte Ressourcen optimal planen/nutzen und in unserem Kern-Geschäft bleiben. Schuster bleib bei deinen Leisten.