Agentur 2020 – Wie sieht die Agentur der Zukunft aus?

Die digitale Transformation verändert die Gesellschaft, den Arbeitstag und branchenübergreifend die gesamte Wirtschaft – soweit sind sich die meisten Unternehmer, Manager und Analysten einig. Die „Agenturblogger" haben sich deshalb die Frage gestellt: Wie verändert der digitale Wandel die schnelllebige Agenturbranche? Welche Geschäftsmodelle sind zukunftsfähig? Wie verändern sich Strukturen? Was bedeutet das für das Projektmanagement?

Bettina Sabath, Geschäftsführende Gesellschafterin von Sabath Media

In unserer neuen Interview-Serie „Agentur 2020" erläutern Agentur-Geschäftsführer, vor welchen Herausforderungen sie heute schon stehen und in den kommenden Jahren noch stehen werden und wie die Agentur der Zukunft für sie aussieht. Heute im Talk: Bettina Sabath, Geschäftsführende Gesellschafterin von Sabath Media.

 

1. Klassische Agenturleistungen wie Kreation, Mediaeinkauf oder Pressearbeit verlieren im Zuge der digitalen Transformation an Wert bzw. müssen neu definiert werden. Wie verändert diese Entwicklung das Geschäftsmodell von Agenturen?

Es ist richtig, dass die Dienstleistungen wie Kreation, Mediaeinkauf und Pressearbeit, aber auch Marktforschung und Telekommunikation stagnieren bzw. stark rückläufig sind. Das muss man ganz klar sagen.
Wachstumsstarke Bereiche sind dafür nun die Segmente Consulting und IT-Dienstleistungen. In meinen Augen geht die Entwicklung von Agenturen ganz klar dahin. Tatsache ist, dass in der Sparte Consulting der Bereich Beratung immer komplexer geworden ist. Der Beratungsbedarf von Seiten des Kunden ist deshalb so enorm gewachsen, weil dieser in unserer heutigen digitalen Welt einfach einen Überblick bekommen will und muss, um erkennen zu können, was für sein Produkt bzw. seine Dienstleistung das Beste ist.
Das Geschäftsfeld von allen IT-Dienstleistungen entwickelt sich darüber hinaus uneingeschränkt.

 

2. Marketing ist immer stärker effizienzgetrieben und an den Vertriebszielen ausgerichtet. Welche Konsequenzen zieht das für Agenturen nach sich?

Marketing vom Vertrieb trennen – das konnte ich zumindest noch nie. Das Eine bedingt das Andere. Das Marketing sollte sich immer am Vertrieb ausrichten. Bzw. wenn ich richtiges Marketing betreiben will, dann muss ich ganz klar den Vertrieb mit ins Boot holen. Andernfalls kann ich kein Marketing betreiben, das im Grunde auch förderlich für das Unternehmen und natürlich auch für die Umsatzziele oder eine Umsatzerhöhung ist.

 

3. Der GWA prognostiziert, dass Agenturen immer mehr zum Prozessmanager bei ihren Kunden werden und empfiehlt, sich besser im Projektmanagement aufzustellen. Was leiten Sie hieraus für Ihr Unternehmen ab?

Es ist absolut richtig sich im Projektmanagement besser aufzustellen! Was wir hier für unser Unternehmen ableiten? Wir haben diesen Trend schon vor zwei Jahren erkannt. In der Vergangenheit hatten wir Teams an deren Spitze ein Teamleiter stand. Unser Wunsch nach flacheren Hierarchien hat uns dann dazu bewegt umzuschwenken. Jetzt arbeiten wir lediglich mit Projektteams und Projektleitern. Diese Projektteams können sich je nach Auftrag und Kunde immer wieder in ihrer Aufstellung verändern. Damit haben wir bislang sehr gute Erfahrungen erzielt.

 

4. Vor allem im Bereich CRM zeigt sich, dass Dienstleister über eigene Software-Lösungen ihre Kunden binden. Der GWA empfiehlt ein solches Vorgehen auch für Agenturen. Inwieweit berücksichtigen Sie derartige Überlegungen bei der Weiterentwicklung ihrer Agentur?

Für unser Unternehmen haben wir bereits eigene Softwarelösungen. Das sind natürlich kleinere Lösungen, wie z.B. im Digitalbereich. Diese können dann auch unsere Kunden nutzen. Dass wir unsere Kunden hier einbinden, dient natürlich auch als weiteres Kundenbindungsinstrument, das wir auf jeden Fall noch weiter entwickeln wollen.

 

5. Die Digitalisierung führt zu einer schnelleren Taktung im Projektmanagement von Agenturen. Wie reagieren Sie darauf?

Trotz aller Digitalisierung versuchen wir die Kommunikation und die Beziehungsfähigkeit im Unternehmen aufrecht zu halten. Das ist mir als Geschäftsführerin sehr wichtig, denn ohne die direkte Kommunikation geht die Beziehungsfähigkeit verloren. Wir wollen trotzdem davon wegkommen uns intern E-Mails zu schreiben. Daher wollen wir jetzt auch innerhalb der Digitalisierung neue Mittel nutzen und in Zukunft mehr mit einer Chat-Software arbeiten.

 

6. Welche technologische Neuerung der letzten fünf Jahre hatte die größte Auswirkung auf Ihren Arbeitsalltag?

Ich würde das gar nicht so beschreiben, dass irgendeine technologische Erneuerung die größte Auswirkung hatte. Ich sehe das so, dass wir ständig neuen komplexen Herausforderungen gegenüberstehen: Kaum ist der eine Kanal im Griff kommt ein neuer dazu. Innerhalb dieser ganzen technologischen Neuerungen haben natürlich auch unsere Kunden einen immensen Beratungsbedarf und suchen nach Vereinfachungen. Dieser Beratungsbedarf führt dann bei uns natürlich wiederum dazu, dass ein größerer Focus auf dem Themenbereich Beratung liegen sollte.

 

7. Wie hat sich der digitale Wandel auf Ihre Effizienz in der Agentur ausgewirkt?

Der digitale Wandel hat sich bei uns nicht extrem auf die Effizienz ausgewirkt.
Um nochmal auf meine Antwort auf die vorhergehende Frage einzugehen: dieser Beratungsbedarf, der da beim Kunden vorhanden ist, der fordert von unseren Mitarbeitern immens viel Zeit. Und in dieser Zeit geht eben unheimlich viel Effizienz verloren.

 

8. Welche KPIs werden künftig die Zusammenarbeit mit Kunden wesentlich bestimmen?

Lassen Sie mich das im Bereich des Webs ganz einfach beantworten:
ich würde sagen, alles, was mit dem Bereich des Online-Marketings zusammenhängt, ist in jedem Fall ein ganz, ganz großer Key-Performance-Indikator.

 

9. Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen in den kommenden drei Jahren (beispielsweise sinkende Margen zu kompensieren, Mitarbeiter zu rekrutieren, neue Geschäftsmodelle etablieren etc.)?

Zu den größten Herausforderungen für unser Unternehmen in den nächsten drei Jahren zählt auf jeden Fall das Thema „agiles Arbeiten". Sprich, dass wir diese Agilität noch mehr in die Projekte reinbringen und auch da mit unseren Kunden gut zusammenarbeiten können. Eine weitere Herausforderung ist das Thema neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Ganz oben auf der Liste steht da für mich die Geschichte mit dem Online-Marketing sowie das Thema der War for digital Talents. Also einfach Mitarbeiter, die als Programmierer im Bereich Suchmaschinenoptimierung und im Bereich Online-Marketing gut ausgebildet sind.

 

10. Ist die Agentur künftig (noch) eine hierarchische Organisation oder viel stärker ein interdisziplinäres Netzwerk, bestehend aus (frei arbeitenden) Spezialisten?

Unsere Agentur ist momentan bzw. jetzt schon keine hierarchische Organisation mehr. Ich sehe das ganze so, wie ein interdisziplinäres Netzwerk. Wie ich es schon in der vorhergehenden Frage beantwortet habe, ist agiles Arbeiten ein wichtiger Faktor nicht nur aus freiarbeitenden Spezialisten, sondern auch wegen des Themas Work/Life-Balance. Damit meine ich, dass es immer mehr Home-Office-Arbeitsplätze gibt, und dass die Teams immer mehr in Projektteams zusammenarbeiten. So kann sich jedes Projektteam voll und ganz auf den Kunden einlassen und auf ihn draufzublicken - wie von einer Meta Ebene. So dass die ganze vorhandene Komplexibilität von jedem verstanden und auch durchgeführt und organisiert wird.

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