Meine Lieblingskampagne: „Never Trust A Clown” von Burger King

Alle reden von gelungenen Kampagnen aus dem Inland, unser Gründer und Vorstand Stefan Dörrstein geht aber einen Schritt weiter und blickt über den Tellerrand. Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Agenturmarkt bewertet er regelmäßig Kampagnen, die ihm rund um den Globus auffallen.

Stefan Dörrstein

Stefan Dörrstein, Gründer und Vorstand der J+D Software AG

Morgen haben wir mal wieder einen Freitag den 13ten im Kalender. Was für ein schaurig schöner Anlass, ein wenig für Gänsehaut zu sorgen. Meine heutige Lieblingskampagne dreht sich daher rund um die Themen Grusel, Gruft und Guerilla-Marketing.

Mit einem unerwarteten Seitenhieb gegen den Konkurrenten McDonalds hat die Schnellrestaurantkette Burger King bei der deutschen Vor-Premiere des Films „Es" in Hamburg ordentlich Eindruck bei Publikum und Presse gemacht.

Zum deutschen Kinostart der Neuverfilmung des 80er Jahre Horror-Romans „Es" von Stephen King, hat sich die Werbeagentur Grabarz & Partner etwas Besonderes für ihren Kunden Burger King einfallen lassen: Den wohl charmantesten und smartesten Seitenhieb auf den Burgerbrat-Konkurrenten McDonalds, Witz und Gruselfeeling inklusive. So viel sei schon verraten, Idee war die angebliche Ähnlichkeit zwischen Pennywise, dem furchteinflößendem Clown aus Stephen Kings Neuauflage und Ronald McDonald, dem Maskottchen von McDonalds.

Wie lief die Guerilla-Aktion ab?

Die Zuschauer hatten kaum Zeit Luft zu holen, nachdem der 135-minütige Horrorfilm sein Ende gefunden hatte. Bevor das Saallicht im Kino eingeschaltet wurde, aktivierte das Team von Grabarz & Partner eigene Projektoren und ließ die Nachricht „Die Moral lautet: Traut niemals einem Clown" auf der Leinwand erscheinen. Nachdem daneben noch das Burger King Logo erschien, gab es keinerlei Zweifel unter den Gästen, welcher Clown hier wirklich gemeint war:

Bereits zuvor hatte das Unternehmen in russischen Medien Aufsehen erregt, wo es den Horrorstreifen auf Grund von potentieller Schleichwerbung für McDonalds verbieten lassen wollte. Die Idee, die Vor-Premiere von „Es" tatsächlich zu einem Werbespott in Filmlänge umzubauen, lag also bereits nahe. Auf die namentliche Erwähnung von Ronald McDonald konnte Burger King bei diesem Marketing-Stunt außerdem getrost verzichten. Die Aktion wurde Online unter dem Hashtag #nevertrustaclown verbreitet und trug – in Anspielung an den Slogan des Frittier-Konkurrenten mit dem goldenen Doppelhalbbogen – das Motto „Ich liebe ES".

Diese Werbeaktion wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben und zählt schon jetzt zu meinen persönlichen Top-Kampagnen des Jahres. Besonders die Tatsache, dass der Witz keinerlei Erklärung bedarf und das Publikum sofort auf die „Moral" reagiert, den Gag versteht und lacht, zeigt, wie durchdacht Grabarz & Partner diese Guerilla-Maßnahme geplant und umgesetzt haben. Die Aktion ist so intelligent, dass sie Seitenhieb und Lob in einem vereint. McDonalds zeigt sein Clown-Maskottchen nur noch sehr selten in der Öffentlichkeit oder nutzt ihn zur Markenkommunikation. Ronald McDonald, dessen Bekanntheitsgrad scheinbar ungebrochen ist, ist der Grund für den Erfolg dieser Marketingaktion und selbst ein Symbol für eine stark etablierte Marke.

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