Reden wir über Erfolg: Oliver Blecken, geschäftsführender Gesellschafter von JOM Düsseldorf

In unserer Rubrik „Reden wir über Erfolg" interviewen wir regelmäßig Agenturchefs zu den Ups and Downs im Agenturbusiness. Heute: Oliver Blecken, geschäftsführender Gesellschafter von JOM Düsseldorf.

Oliver Blecken -  JOM Düsseldorf

Oliver Blecken, geschäftsführender Gesellschafter von JOM Düsseldorf

1.) Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen erfolgreichen Agenturmanager aus?
Er muss eine Art inneren Kompass besitzen, um voran in die richtige Richtung gehen zu können. Dafür sind zwei Eigenschaften elementar: Geradlinigkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Geradlinigkeit hat dabei mehrere Aspekte. Erste Voraussetzung ist es hier eine ganz eigene Vision und konkrete Ziele zu haben, an denen sich jeder - auch der Agenturchef selbst - messen lassen muss. Der zweite Punkt ist, eine eigene Meinung zu haben und diese offen zu vertreten – auch bei Gegenwind. Und drittens geht es darum, seinen Kurs konsequent zu halten – so groß in unserer Branche die Verlockung auch ist, auf jeden neuen Hype aufzuspringen.
Und dann ist da noch das Thema Selbstreflexion. Sie ist meiner Meinung Voraussetzung, um kontinuierlich an sich zu arbeiten und besser zu werden. Ich glaube: Nur weniges gefährdet Unternehmen in ihrer Substanz mehr als Top-Manager, die irrigerweise glauben, schon alles zu wissen, alles zu kennen, alles zu können.

2.) Gibt es in der Branche Menschen, die Sie persönlich stark geprägt bzw. inspiriert haben. Wenn ja: Wer und wie?
Wie gesagt: So weit man in der Hierarchie auch gekommen ist – man lernt wirklich nie aus. Mich haben drei ehemalige Chefs geprägt, die auf ihre Art wirklich ganz besonders sind. Das ist als erstes Paul Vogler – ein im positiven Sinne begnadeter Menschenfänger. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die ihren Gegenüber derart präzise lesen und motivieren können wie Paul. Bei JWT war Till Wagner ein großartiges Beispiel dafür, wie man die – scheinbar getrennten – Bereiche Kreation und Beratung perfekt vereinen kann: Till ist der kreativste Berater, den ich je kennengelernt habe. Und dann natürlich noch Christian Schmalzl, der mich zu MediaCom geholt hat: In punkto Unternehmertum, Umsetzungsgeschwindigkeit und Effizienz gibt es wohl nur wenige Manager in Deutschland, die ihm das Wasser reichen könnten.

3.) Welche Ihrer Charaktereigenschaften ist Ihrer Meinung nach besonders ausschlaggebend für Ihren eigenen beruflichen Erfolg?
Geradlinigkeit. Ich habe zu den Dingen stets einen klaren Standpunkt – und den vermittle ich deutlich. Das beschleunigt einerseits Entscheidungen und Prozesse und gibt andererseits Mitarbeitern auch Sicherheit, weil klar ist, in welche Richtung wir uns als Organisation bzw. Team bewegen. Nichts ist aus meiner Sicht schlimmer, als Mitarbeitern keine klare Ansage zu geben und sie damit im Unklaren zu lassen.

4.) Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Da gab es nicht dieses eine Schlüsselerlebnis, sondern es ist die Summe an Misserfolgen und Niederlagen. Und da gibt es einige, wenn man sich rund 20 Jahre in Agenturen um das Neugeschäft gekümmert hat. Die wichtigste Lektion: sich nach verlorenen Pitches einzugestehen, dass eine andere Agentur vielleicht einfach besser war. Das ist nicht leicht, weil man nur allzu schnell zu den üblichen Verschwörungstheorien greift, um sein eigenes Seelenheil zu retten. Also: die anderen waren einfach nur billiger, hatten die Connection zum Geschäftsführer oder haben Luftschlösser präsentiert, die nie und nimmer umsetzbar sind. Alles Bullshit! In der Regel ist es so, dass ein Wettbewerber eben besser performt hat. Sich genau das klar zu machen, ist die Voraussetzung die eigenen Schwächen zu erkennen – und daran zu arbeiten.

5.) Wie stecken Sie Rückschläge eher weg: schnell vergessen und dann weiter oder lange dran knabbern und überlegen, was falsch gelaufen ist?
Weder noch. Ich analysiere zeitnah, was schief gelaufen ist und wo entsprechend noch Optimierungsbedarf besteht. Dann hake ich die Sache ab – zu viel negative Energie!

6.) Was gibt Ihnen die Energie, jeden Tag im Job neu durchstarten zu können?
Viele von uns machen sich nicht klar, in welch einer privilegierten Situation sie sind. In den meisten Fällen ist es unsere ganz eigene Entscheidung, wo wir gerade im Berufsleben stehen. Das hat in der Regel weniger mit (finanziellen) Sachzwängen zu tun, sondern entspringt häufig allein der intrinsischen Motivation. Dieses Bewusstsein gibt mir jeden Tag aufs Neue einen Energieschub – und natürlich ein gutes Frühstück mit Müsli und selbstgemachtem Smoothie.

7.) Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen – beruflich wie privat?
Ich bin im vergangenen Jahr bewusst den Schritt vom Konzern-Manager zum Start-Up-Unternehmer gegangen. Dieses Jahr geht es darum für JOM den Standort Düsseldorf auf- und auszubauen. Eine tolle Herausforderung! Und für meine einjährige Hündin Mia steht 2017 noch die Begleithundeprüfung an. Da wartet noch die eine oder andere Trainingseinheit auf uns. Sowieso möchte ich die Balance zwischen Arbeit und freier Zeit weiterhin behalten - so ausbalanciert wie im Moment war ich selten im Leben.

8.) Wie motivieren Sie sich, Ihre Ziele zu erreichen?
Mit Erfolg – und damit zusammenhängend dem positiven Feedback von Mitarbeitern und Kunden.

9.) Erfolg in der Kommunikationsbranche – das ist in der Praxis auch immer Teamwork: Wie steuern Sie Ihre Agentur?
Über allem steht sicher der kategorische Imperativ – also im übertragenen Sinne: Behandle andere Menschen so wie auch Du behandelt werden willst. In der JOM Group herrscht insgesamt eine sehr familiäre Atmosphäre. Die wollen wir auf jeden Fall behalten. Ein paar einfache Regeln helfen. Für die Kommunikation untereinander gilt beispielsweise die Reihenfolge: erst persönlich sprechen, wenn das nicht geht: telefonieren. Am Schluss kommt die E-Mail. In vielen Unternehmen ist es inzwischen leider andersherum.

10.) Überstunden, Pitches, Homeoffice-Arbeiter: Der Agenturalltag ist häufig durch eben so viel Kreativität wie Flexibilität geprägt. Wie behalten Sie den Überblick auf welchem Kundenprojekt was mit wie viel Aufwand und welchem Profit gemacht wird?
Zum einen habe ich in der Vergangenheit gelernt, mit vielen Bällen gleichzeitig zu jonglieren, zum anderen haben wir tollen Support aus Hamburg. An dieser Stelle einmal Dankeschön an die lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich kann mich hier in Düsseldorf aufs Business konzentrieren – das kommt mir sehr entgegen.

11.) Welcher Zeitmanagement-Typ sind Sie: eher Chaot oder penibler Organisator?
Können wir das „penibel" weglassen? Ich denke, Organisation hängt eng mit Struktur zusammen. Ohne diesen Rahmen ist nachhaltiger Erfolg nur schwer möglich. Deshalb: Ich bin großer Fan der Clean Desk Policy, halte meinen elektronischen Kalender a jour und bearbeitete meine Mail-Inbox bis zum Abend komplett. Und für alles andere habe ich ein fünf Quadratmeter großes Whiteboard an der Wand.

12.) Gibt es Zeitmanagement-Methoden, die Sie aus dem Job ins Privatleben mitgenommen haben?
Die gibt es tatsächlich: Meine Partnerin und ich besitzen einen gemeinsamen elektronischen Kalender

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