Reden wir über Erfolg: Thomas Kaiser, Gründer und Geschäftsführer der cyberpromote GmbH

In unserer Rubrik „Reden wir über Erfolg“ interviewen wir regelmäßig Agenturchefs zu den Ups and Downs im Agenturbusiness. Heute: Thomas Kaiser Gründer und Geschäftsführer der cyberpromote GmbH.

Thomas Kaiser, Gründer und Geschäftsführer der cyberpromote GmbH

1.)    Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen erfolgreichen Agenturmanager aus?

Da stellt sich schon die Frage, was man als erfolgreich bezeichnet. Für manche mag es der wirtschaftliche Erfolg sein. Für mich sind es aber andere Faktoren. Beispielsweise, dass man nach vielen Jahren noch Spaß am Job hat, und die Mitarbeiter auch. Das ist schon eine große Herausforderung. Und ob man den Erfolg mit Fremdkapital geschafft hat, oder aus dem selbst erwirtschafteten Kapital. Zuletzt ist es für mich die Tatsache, das alles parallel mit einer großen Familie mit 5 Kindern zu meistern. In letzterem steckt eigentlich die größte Herausforderung, aber auch der größte Schatz, gegen den keine Bilanz oder Gehaltszettel ankommen können.

2.)    Gibt es in der Branche Menschen, die Sie persönlich stark geprägt bzw. inspiriert haben. Wenn ja: Wer und wie?

Ich gestehe: Nein. Es gibt sicherlich tolle Menschen, auch erfolgreiche, aber da ich auch Musiker bin, haben mich vor allem Personen aus der Musik inspiriert. Und da ich wegen meiner Tochter auch viel Zeit in Krankenhäusern verbracht habe, sind echte Helden und Vorbilder Menschen, die jeden Tag schwerstkranken Menschen alles geben und dafür auch noch schlecht bezahlt werden. Meine Lebensgefährtin hat mich auch stark geprägt und inspiriert, da sie selbstlos mit großem Herz und viel Energie das Leben jeden Tag bereichert.

3.)    Welche Ihrer Charaktereigenschaften ist Ihrer Meinung nach besonders ausschlaggebend für Ihren eigenen beruflichen Erfolg?

Ich weiß schon, worin ich gut bin, und worin ich schlecht bin. Meine Mitarbeiter, aber auch die Kunden wissen, dass mein Wort zählt und wir nichts versprechen, von dem wir nicht sicher sind, es auch halten zu können. Auch bei den Kunden arbeiten Menschen, die sich Vertrauen wünschen und ein Gegenüber auf Augenhöhe. Fachliches Wissen ist sicherlich ein weiterer wichtiger Punkt, der auch die Glaubwürdigkeit erhöht. Dafür habe ich bestimmt keine ausgeprägten Kommunikationsstärken und lobe zu wenig. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich, dass ich stets fair bin - oder zumindest versuche, es zu sein - und niemanden aus rein geschäftlichen Gründen hängen lasse.
In meinen Vorträgen habe ich das vor ein paar Jahren thematisiert: ich bin Ingenieur, und der lernt, dass man nur verkaufen kann, was auch funktioniert. Sehr oft gibt es aber gerade in der SEO-Szene eine andere Denke: was man verkaufen kann, muss auch irgendwie gehen. Manchmal geht’s auch nur darum, dass man etwas verkaufen kann, die Leistung selbst ist dann schon egal.
Diese Denke, die wir auch schon in der Finanzwelt erleben mussten, ist mir fremd. Dies mag man als Charaktereigenschaft sehen, für mich ist es eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn man damit vielleicht am Ende weniger Umsatzsteigerung erzielt, können wir stolz sein auf so manchen Erfolg. Immerhin gibt es ein paar Kunden, die wir über mehr als zehn Jahre begleitet haben, vom Kleinstunternehmen hin zu einem großen Marktführer.

4.)    Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?

Rückwirkend betrachtet gab es in meinem familiären Umfeld zwei Unternehmen, ein kleines und ein sehr großes, die daran gescheitert sind, dass Menschen, die sich vertraut haben, ein Unternehmen gegründet haben und dieses dann später aus persönlichen Gründen gescheitert ist. Das war mit ein Grund für mich, cyberpromote allein zu gründen und zu führen. Heute, nach vielen Jahren, ist das sicherlich anders und ich würde heute bestimmt mit den richtigen Menschen auch gemeinsam etwas aufziehen. Aber es ist bestimmt eine große Herausforderung, ein Unternehmen mit einem Partner aufzubauen und längerfristig an einem Strang zu ziehen. Daran können Freundschaften auch zu Grunde gehen. Und das ist sicherlich schwieriger, als Verträge zu machen, die man irgendwann vielleicht auslösen oder kündigen muss.

5.)    Wie stecken Sie Rückschläge eher weg: schnell vergessen und dann weiter oder lange dran knabbern und überlegen, was falsch gelaufen ist?

Die Lebenserfahrung sagt einem, dass berufliche Rückschläge vergleichsweise unbedeutend sind gegenüber Schicksalsschlägen.  Daher werden sie schnell vergessen, dennoch wird versucht die Frage zu stellen, was man hätte besser machen können. Misserfolge können immer auch eine Chance sein, wenn Fehler gemacht wurden, aus denen man lernt.

6.)    Was gibt Ihnen die Energie, jeden Tag im Job neu durchstarten zu können?

Privat die Tatsache, dass wir jeden Tag neues erleben und entdecken können und dabei auch noch gesund sind. Und beruflich die Tatsache, dass wir mehrere Kunden haben, die uns nach einigen Jahren verlassen haben und dann wieder zu uns zurückkamen. Und die Frage, welcher unserer Kunden vielleicht mal ganz groß rauskommt.

7.)    Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen – beruflich wie privat?

Privat wollen wir zum ersten Mal eine Reise auf einen anderen Kontinent machen, was ich mit meiner Lebensgefährtin noch nie machen konnte. Und ich möchte mehr zum Musik machen haben. Beruflich ist dieses Jahr die große Herausforderung, dass Google den Index der Suchergebnisse komplett auf mobile Daten umstellt. In meinen Augen in 20 Jahren, in denen ich nun SEO mache, die vermutlich größte Änderung bei Google. Seltsamerweise haben die Kunden hier weniger Bauchschmerzen als ich, sonst war es immer andersrum.

8.)    Wie motivieren Sie sich, Ihre Ziele zu erreichen?

Ich denke, das ist zum einen eine Einstellungsfrage. Genau erklären kann ich es nicht, aber die wenigen Erfahrungen, die ich als Angestellter hatte und die als Freiberufler, haben mir mein Gefühl verdeutlicht, dass ich meine eigene Firma haben muss. Erste Schritte hatte ich ja schon zu Beginn meines Studiums gemacht und Computerspiele an Studenten verkauft (damals war Internet noch ein Fremdwort). Eine hohe Resilienz hilft also. Dann muss man sich die Ziele auch so setzen, dass sie realistisch sind. Eine gezielte Motivation führe ich nicht durch, es kommt sicherlich durch die Freude und den Spaß an der Arbeit. Ich predige auch meinen Kindern, dass es das Beste ist, wenn sie einen Job haben, der auch noch über viele Jahre Spaß macht.

9.)    Erfolg in der Kommunikationsbranche – das ist in der Praxis auch immer Teamwork: Wie steuern Sie Ihre Agentur?

Einer klarer Schwachpunkt von mir. Da passiert sicherlich zu wenig gezielt gesteuert, manches aus dem Bauch heraus und nicht immer nachvollziehbar. Ich denke, das Vertrauen der Mitarbeiter in mein Tun hilft, meine Schwächen zu verzeihen. Da viele Mitarbeiter hier gerne arbeiten, liege ich nicht ganz falsch. Vor allem haben sie große Freiheiten in der Art, wie sie Projekte durchführen. Das funktioniert nicht immer perfekt, aber ich glaube, dass das ein wichtiger Faktor ist. Zudem bin ich fast immer authentisch und versuche das vorzuleben, was unsere Philosophie ist.

10.) Überstunden, Pitches, Homeoffice-Arbeiter: Der Agenturalltag ist häufig durch eben so viel Kreativität wie Flexibilität geprägt. Wie behalten Sie den Überblick auf welchem Kundenprojekt was mit wie viel Aufwand und welchem Profit gemacht wird?

Das meiste ist im Kopf, aber es ist hilfreich, sein Gehirn zu unterstützen (siehe auch Punkt 12). Was man schieben kann, wird dann schnell geschoben, so wie dieses Interview. Da wir stets relativ standardisierte Prozesse haben, lässt sich schnell erkennen, wo wir vielleicht draufzahlen. Da wir häufig erfolgsbasierte oder umsatzbasierte Modelle haben, ist das Risiko größer. Da wir aber wissen was wir tun, kann man das Risiko relativ gut eingrenzen.

11.) Welcher Zeitmanagement-Typ sind Sie: eher Chaot oder penibler Organisator?

Das ist eine Frage der Sichtweise J Ich selbst sehe mich eher in der Mitte. Von außen betrachtet sieht es eher nach Chaos aus. In manchen Dingen bin ich zu sehr Perfektionist, was aber bei der Organisation von manchen Dingen sehr hilfreich sein kann, da man böse Überraschungen dadurch vermeiden kann. Doch bei meinem letzten Konzert ist mir bei meiner Gitarre eine Saite gerissen und meine Ersatzgitarre war nicht gestimmt. Und das beim ersten Song, in der ersten Minute - Kann mich nicht erinnern, wann mir das zuletzt passiert ist, aber glücklicherweise haben meine Bandkollegen etwas improvisiert und die Saite war schnell aufgezogen. Hätte ich keine Ersatzsaiten dabei gehabt, wäre es eng geworden. Kommt nicht wieder vor. Hoffentlich.

12.) Gibt es Zeitmanagement-Methoden, die Sie aus dem Job ins Privatleben mitgenommen haben?

Eher anders rum. Wer eine Familie mit 5 Kindern managt, der braucht keine Methoden erlernen. Dennoch ist es nie verkehrt, neues auszuprobieren. Daher habe ich mir letztes Jahr einige der vielen neuen Tools angesehen, bin dann aber bei OneNote gelandet. Das geht auf allen Geräten und erlaubt ein recht freies Organisieren von Notizen, Bilder, Screenshots, etc. Das nutze ich vor allem privat, aber auch für einige berufliche Dinge. Beispielsweise um Fakten, Links und Bilder für Vorträge zu sammeln ist es ideal, da man alles erst einmal in einen Topf werfen und speichern kann, um später daraus ein Rezept zu machen für einen spannenden Vortrag. Nach dem es mittlerweile komplett kostenlos ist, kann ich es nur empfehlen.

Kommentar schreiben

Bitte füllen Sie alle mit (*) gekennzeichneten Felder aus. Vielen Dank.
« zurück