Meine Lieblingskampagne: Super Bowl Edition

Alle reden von gelungenen Kampagnen aus dem Inland, unser Gründer und Vorstandsvorsitzender Stefan Dörrstein ist dagegen auch international unterwegs. Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Agenturmarkt bewertet er regelmäßig Kampagnen, die ihm rund um den Globus aufgefallen sind. Heute geht es um DAS Sport- (und Werbe-) Ereignis des Jahres: der Super Bowl in den USA.

Stefan Dörrstein

Stefan Dörrstein, Gründer und Vorstandsvorsitzender der J+D Software AG.

Super Bowl – das bedeutet nicht nur in den USA Ausnahmezustand, auch in Deutschland scheint sich Football immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. Den 51. Super Bowl der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons sahen in Deutschland durchschnittlich 1,2 Millionen Menschen und das zu nachtschlafender Zeit (ab 0:30 Uhr) – in den USA waren es übrigens 111 Millionen Zuschauer. Zahlen, die jedes Werberherz höher schlagen lassen. Kaum verwunderlich, dass sich Marken jedes Jahr mit möglichst witzigen oder auch tränentreibenden Spots zu überbieten versuchen. Auch ich konnte mich den Hype nicht entziehen und habe mir natürlich nicht nur den Super Bowl, sondern auch die Werbe-Kampagnen angesehen.

Die Fülle der Kampagnen macht es ziemlich schwierig den einen Favoriten zu wählen. Aber damit dieser Blogbeitrag nicht in einen Roman ausartet, musste ich mich auf die – meiner Ansicht nach – besten sechs Kampagnen beschränken.

1. Audi: Daughter

Mein absoluter Favorit in diesem Jahr. Denn dieser Spot hat mich wirklich überrascht, erwartet man von Audi doch eigentlich eher einen Spot zu den großen Innovationen, die der Autohersteller so zu bieten hat. Doch was dann kommt, damit hätte wohl keiner gerechnet: Der Spot – produziert von Venables Bell & Partners aus San Francisco - dreht sich nur am Rande um Autos oder Innovation – es geht um Geschlechtergerechtigkeit. Ein Vater denkt über die ungleiche und ungerechte Behandlung von Frauen in der heutigen Gesellschaft nach – während seine Tochter sich im Seifenkistenrennen gegen alle Jungs durchsetzt. Zum Ende die Botschaft: Audi setzt sich für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen ein. Ein tolles Statement!

 2. Avocados From Mexico: AvoSecrets

Mit Abstand die lustigste Kampagne des 51. Super Bowl. Die Händlervereinigung Avocados from Mexico macht schon seit mehreren Jahren mit ihren witzigen Super Bowl Kampagnen von sich reden – in diesem Jahr setzen sie aber noch einen drauf. Es geht um einen Geheimbund, der einfach keine Geheimnisse für sich behalten kann – und jetzt drang auch noch nach draußen, dass Avocados sogar gesund sind! Der Spot – die Agentur GSD&M zeichnet hierfür verantwortlich – ist gespickt mit allen möglichen Verschwörungstheorien – nicht nur für Amerikaner sehr lustig anzusehen.

3. Budweiser: Born the hard way

Nicht lustig, dafür umso politischer kommt der Spot des Bierbrauers Budweiser und seiner Agentur Anomaly daher. Das war aber anscheinend gar nicht beabsichtigt. Ursprünglich wollte das Unternehmen Anheuser Busch InBev (zu dem auch Budweiser gehört) nur auf seine langjährige Firmengeschichte aufmerksam machen. Aber die Geschichte zeigt, dass die USA ein Einwanderungsland sind – und ohne Einwanderer nicht dort wären, wo sie heute stehen. Denn ohne Adolphus Busch, 1857 aus Deutschland in die USA ausgewandert, gäbe es wohl das Lieblingsbier der Amerikaner gar nicht. Auch wenn es vielleicht nicht so geplant war, der Spot ist zur heutigen Zeit ein aufrüttelndes Zeichen für Einwanderung – und deshalb sehr passend.

4. Squarespace: John Malkovich

Jetzt lieber wieder etwas zum Lachen: John Malkovich ist sauer – auf John Malkovich. Da hat sich doch glatt jemand seinen Domain-Namen johnmalkovich.com unter den Nagel gerissen. Dabei gibt es doch nur einen John Malkovich – schließlich hat er sogar in einem Film gespielt, was es heißt John Malkovich zu sein. Der Zuschauer kann im Spot des Website-Anbieters Squarespace und der Agentur John X Hannes verfolgen, wie John Malkovich verzweifelt versucht, den Domaininhaber zu kontaktieren – und sich dabei immer mehr in Rage redet. Herrlich, nicht nur für John Malkovich Fans!

P.S.: Die Mode-Kollektion, für die John Malkovich einen Webshop eröffnen möchte, gibt es jetzt wirklich – und zwar unter www.johnmalkovich.com

5. Mercedes Benz: Easy Driver

Große Namen verpflichteten auch der Autobauer Mercedes und seine Agentur Antoni. Der Spot ist eine große Hommage an den Film Easy Rider – und wer wäre da nicht besser geeignet vor der Kamera zu stehen als der Easy Rider himself: Peter Fonda. Nur steigt der eben nicht mehr auf seine Chopper, sondern lieber in seinen Mercedes AMG. Ziemlich großes Kino – nicht zuletzt, da die Coen-Brüder Regie führten. Bei Mercedes gilt scheinbar derzeit klotzen statt kleckern…

6. Air BnB: We Accept

Ein Spot kam tatsächlich ziemlich überraschend, denn keiner hatte ihn zuvor auf dem Schirm: der inhouse kreierte 30-Sekünder des Ferienwohnungs-Vermittlers Air BnB. Über die Einblendung verschiedener Gesichter wird die Botschaft gelegt: Es kommt nicht auf die Hautfarbe, das Geschlecht, wen man liebt, oder die Religionszugehörigkeit an – wir alle gehören in diese Welt. Und sie wird besser wenn man das akzeptiert. Ein klares Statement gegen Trumps Einwanderungsbann. Das spannende am Spot: Er wurde in nur drei Tagen von CEO Brian Chesky, den zwei Mitgründern Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk und CMO Jonathan Mildenhall zusammengestellt, als sie hörten, dass noch Werbeplätze zu vergeben waren. Ein mutiger Zug des Unternehmens! Respekt dafür.

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